Ausgangslage
Spitäler stellen im Brandfall eine besondere Herausforderung dar. Im Felix Platter Spital in Basel befinden sich Patient*innen, die in ihrer Mobilität stark eingeschränkt sind — ältere Menschen, frisch Operierte, Personen mit kognitiven Einschränkungen. Diese vulnerable Personengruppe kann im Ernstfall nicht einfach aufstehen und zum nächsten Ausgang rennen. Sie ist auf klare, intuitive Orientierungshilfen angewiesen, die auch dann funktionieren, wenn Rauch die Sicht nimmt und Panik die Wahrnehmung einschränkt.
Bestehende Brandschutzsignaletik — EXIT-Schilder an Decken und Wänden — stösst in solchen Situationen an ihre Grenzen. Sobald sich Rauch im Korridor ausbreitet, sind Schilder auf Augenhöhe oder darüber kaum noch erkennbar. Genau hier setzt dieses Projekt an.
Die Idee
Leuchtende Pfeile am Boden weisen im Brandfall dynamisch den sichersten Fluchtweg. Die Richtung wird in Echtzeit berechnet, basierend auf der aktuellen Brandausbreitung im Gebäude. Verändert sich der Brand, verändert sich der Fluchtweg. Anders als statische Beschilderung reagiert das System auf die Situation und leitet Menschen aktiv zum nächsten sicheren Ausgang — bodennah und damit auch bei starker Rauchentwicklung sichtbar.
Die initiale Visualisierung dieser Idee wurde mit Google Gemini erstellt, um das Konzept vor dem Entwicklungsstart zu kommunizieren und zu validieren.
Umsetzung
Um diese Idee zu testen, habe ich eine immersive Virtual-Reality-Simulation entwickelt. VR eignet sich besonders gut für diesen Anwendungsfall: Brandszenarien lassen sich in der Realität nicht gefahrlos durchspielen, und die räumliche Erfahrung in VR vermittelt ein Gefühl für die tatsächliche Stresssituation — Rauch, eingeschränkte Sicht, Orientierungslosigkeit.
Die Simulation bildet einen Spitalkorridor des Felix Platter Spitals nach und vergleicht zwei Szenarien. Im ersten Szenario navigieren Testpersonen durch den verrauchten Korridor mit ausschliesslich statischer Signaletik — konventionelle EXIT-Schilder. Im zweiten Szenario wird zusätzlich die dynamische Bodensignalisation aktiviert: leuchtende grüne Pfeile am Boden, die den kürzesten sicheren Weg zum Ausgang weisen.
Die Systemlogik folgt einem klaren Ablauf: Sensoren erfassen den Brand, das System bestimmt den betroffenen Bereich, berechnet den sichersten Fluchtweg und aktiviert die Bodensignalisation entsprechend. Verändert sich die Brandsituation, wird der Fluchtweg in Echtzeit neu berechnet.
Ergebnis
Der Vergleich der beiden Szenarien zeigt, dass die dynamische Bodensignalisation die Orientierung im Brandfall deutlich verbessert. Testpersonen fanden den Ausgang schneller, fühlten sich sicherer und zeigten weniger Unsicherheit bei der Wegfindung. Gerade für die vulnerable Personengruppe in einem Spital könnte ein solches System im Ernstfall entscheidend sein.
Technologie
Die Simulation wurde mit Unity 6 entwickelt und läuft auf der Meta Quest 3S — einem standalone VR-Headset, das ohne externen PC funktioniert. Die Interaktionslogik, Brandsimulation und dynamische Pfadberechnung sind in C# programmiert. Feuer- und Raucheffekte stammen teilweise aus dem Unity Asset Store, wurden aber für das Projekt angepasst. Das XR Interaction Toolkit ermöglicht die VR-spezifische Steuerung und Fortbewegung.